Karwoche mit Sturmtief Niklas – die Bilanz eines Einsatzrekordes

Wer dabei war, wird es nie mehr vergessen. So viel Arbeit wie bei Niklas hatte die Ottobrunner Feuerwehr noch nie. Alles in allem sind 202 Unwettereinsätze angefallen. Aber auch zwei Menschenrettungen aus höchster Lebensgefahr prägten die Karwoche.

Tagelang haben die Aufräumarbeiten im Gerätehaus mehrere Kameraden in ihrer Freizeit beschäftigt. Manche von ihnen hatten sich ihren Osterurlaub sicher anders vorgestellt, als nun Kettensägen zu putzen, die Schneidzähne der Ketten nachzuschleifen, die Einsatzfahrzeuge wieder zu bestücken oder hunderte von Einsatzberichten in die Datenbank einzutippen, auszudrucken und abzuheften.

Einmal mehr bewährte sich die Beschaffungspolitik der Ottobrunner Feuerwehr, denn genau auf derartige Katastropheneinsätze hat sich die Feuerwehrführung intensiv vorbereitet: Im Gerätehaus lagern Gitterboxen mit Sandsäcken, Dachlatten und Folien, um undichte Dächer behelfsmäßig zu verschließen. In vielen Fahrzeugen wurde bei der Beschaffung auf die Beladung mit Motorkettensägen geachtet. Das ermöglichte am 31. März, als die Einsatzmeldungen fast im Minutentakt im Gerätehaus eintrafen, alle Fahrzeuge los zu schicken. Sie brachten so an mehreren Stellen zeitgleich Hilfe. Denn eines ist gewiss: Das Jahrhunderthochwasser, der Jahrhundertsturm kommen nicht erst in 100 Jahren wieder, sondern früher und häufiger. Dann muss man diese Aufgabe aus dem Stand heraus meistern können. Die Ottobrunner Feuerwehr kann es!

Wenn auch der Sturm am frühen Dienstagabend abflaute, die Arbeit ging für 84 Einsatzkräfte weiter bis kurz nach Mitternacht um 0.46 Uhr. Selbst an den vier Tagen bis Ostersamstag fielen nochmals 43 sturmbedingte Einsätze an. Das ist nach einem heftigen Sturm ganz normal: Nun bei Tageslicht fallen den Bewohnern noch viele Bäume auf, die entweder in der Dunkelheit umgestürzt sind oder die so schief stehen, dass sie umzustürzen drohen.

Die Feuerwehr wird dabei nicht in jedem Fall tätig. Aufgabe der Feuerwehr ist es, Gefahren für Menschen, Tier, Umwelt und Sachgütern abzuwehren, wenn Gefahr im Verzug ist. Die Feuerwehr wird üblicherweise tätig, wenn Bäume den Straßenverkehr behindern, weil sie über der Straße oder dem Gehweg liegen. Wenn der Zugang zur Haustüre versperrt ist. Wenn der Baum instabil an der Hausmauer lehnt oder auf das Dach gefallen ist. Wenn sich Dachziegel oder Schornsteinverkleidungen so gelockert haben, dass sie abzustürzen drohen und dabei Menschen gefährden könnten und wenn durch die Beschädigung der Dachfläche Regen, Schneefall und Wind in das Gebäude eindringen können. Liegt der Baum aber im Garten und es besteht keine Gefahr mehr für Mitmenschen oder umliegende Gebäude, dann ist das keine Aufgabe für die Feuerwehr. Zu dessen Beseitigung gibt es Firmen, die damit ihren Lebensunterhalt verdienen und mit denen die Feuerwehr nicht in wirtschaftliche Konkurrenz treten darf. Gleiches gilt, wenn der Baum stabil auf dem Dach liegt und keinen Schaden mit Folgewirkung verursacht hat.

Dass mancher Hausbesitzer die Gunst der Stunde ausnutzen wollte, um den ungeliebten Baum, der die Terrasse verschattet, dessen Laub für Arbeit und verstopfte Regenrinne sorgt oder dessen Blütenpollen den Allergikern zusetzen, nun ohne Kosten und ohne offizielle gemeindliche Fällgenehmigung entfernen lassen wollte, ist der Feuerwehr durchaus bewusst. Aber die Feuerwehr ist in der Lage, echte Gefahren von vorgetäuschten zu unterscheiden. Um die Notwendigkeit des Eingreifens der Feuerwehr sowie die Dringlichkeit abzuschätzen, waren während des Sturmes beide Kommandanten und ein Zugführer mit drei Kleinfahrzeugen ständig unterwegs, um die Einsatzstellen zu besichtigen, die Maßnahmen und die dafür erforderlichen Fahrzeuge festzulegen. Die Disposition der Einsatzkräfte erfolgte dann von zwei Kameraden, die über Stunden unermüdlich vier Tage lang in der Leitstelle im Gerätehaus den Überblick behielten und entsprechende Prioritätenlisten pflegten.

Bürgermeister Thomas Loderer, der mehrere Einsatzstellen besuchte, zeigte sich in einem Dankschreiben beeindruckt von der Arbeit der Kameraden und kündigte an, bei der Hauptübung April eine Brotzeit auszugeben.

Das Fazit einer arbeitsreichen Karwoche lautet: Das Sturmtief Niklas ist durchgezogen und hat in Ottobrunn eine Schneise der Verwüstung in den Baumbestand gezogen. Aber etwa 90 Einsatzkräfte haben an fünf Tagen 202 Einsätze in Ottobrunn abgearbeitet. Eine super Leistung von Ottobrunnern für Ottobrunner Mitbürger!

Und damit nicht genug: Zweimal rettete die Ottobrunner Feuerwehr Mitmenschen in allerletzter Minute aus absoluter Lebensgefahr: Am Karfreitag holten sie ein Bewohnerin aus ihrer verrauchten Wohnung bevor sich der Entstehungsbrand zu einem Zimmerbrand entwickeln konnte. Am Ostersamstag gelang es den First Respondern, ein Kleinkind mit Atemstillstand wieder zu beleben.

Von der Werkfeuerwehr TU Garching kam Unterstützung nach Ottobrunn.
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Unzählige Bäume lagen auf Hausdächern und Garagen
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Der Münchner Merkur interviewte Kommandant Klas (Ausgabe vom am 2.4.15)
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